Geschichte

Es war einmal im Jahre 1790, ein Jahr nach der französischen Revolution: Ludwig Herrmann geht nach Nürnberg, um von dort die Erzeugnisse aus dem nahen Passau gelegenen Bergwerk zu vertreiben, das er gemeinsam mit seinem Bruder geerbt hatte. Er traf die richtige Entscheidung, denn schon seit dem Mittelalter war Nürnberg berühmt als die Stadt der „Rot- und Gelbgießer“. Nürnberg galt als ein Zentrum der metallverarbeitenden Industrie. Zugleich bot sich die Stadt als ein Handelsmittelpunkt mit überregionaler Bedeutung an. Ludwig Herrmann knüpft daher auch schnell Beziehungen zu dem örtlichen Gewerbe wie auch zu Betrieben in Kitzingen, Regensburg und Hof.

1835 läutet die erst deutsche Eisenbahn zwischen Nürnberg und Fürth die Revolution des Transportwesens, zugleich auch die industrielle Revolution ein. Die ältesten noch vorhandenen Hauptbücher des Unternehmens tragen das Datum des folgenden Jahres. Sie dokumentieren bereits Kunden aus allen deutschen Ländern. Erstmal kann auch von internationalen Geschäftsbeziehungen gesprochen werden. So gehen Lieferungen an holländische und belgische Eisenbahnen, und zwar an die „Spoor-Waagen-Gesellschaft“. Später lassen sich sogar Kunden in Südamerika und im Gebiet der Südsee stellen.

1838 wird das Unternehmen unter seinem heute noch bestehenden Namen „Herrmann & Co“ in das Handelsregister eingetragen. Innerhalb von knapp zwei Jahren entwickelte es sich zu einem bedeutenden Handel mit Metallhalbzeugen.

1862 übernimmt der 24-jährige Albert Mederer durch Heirat die Firma. Er verfügte über ausgezeichnete Sprachkenntnisse und befasste sich intensiv mit dem Nordafrikanischen Raum. Zugleich ist er, wie sein Engagement für das Nürnberger Gaswerk beweist, dem technischen Fortschritt aufgeschlossen. Er orientierte sich besonders am internationalen Exporthandel.

1874 wurde Paul Mederer geboren. Er verbrachte aus gesundheitlichen Gründen viel Zeit in Marokko und Malta, daher verfügte er ebenfalls über besonders gute Sprachkenntnisse. Ihn gelangte es sogar eigene Handelshäuser in Marokko, Algerien und Tripolis zu errichten. Im europäischen Raum gründet „Herrmann & Co“ Agenturen in Amsterdam, Brüssel und Paris. Weiterhin befasst sich die Firma mit Aufträgen vornehmlich aus den Süddeutschen Raum Tatsächlich entstanden zu diesen Zeitpunkt Geschäftsverbindungen die bis heute noch bestehen.

Diese regionale Orientierung sicherte die Existenz des Unternehmens des Unternehmens, nach dem es im ersten Weltkrieg seine ausländischen Beziehungen nahezu entschädigungslos verliert. Paul und Elisabeth Mederer müssen daher während der Weimarer Republik nicht von vorne beginnen, weitsichtig leiten sie eine Diversifikation des Angebots ein. Von nun an werden regelmäßig drei Verkaufsprogramme vorgestellt.

Diese Veränderung machte auch einen Wechsel der Räumlichkeiten erforderlich, somit zog die Firma aus dem bürgerlichen Anwesen in der Johannisstraße in die Roritzerstraße.

1938 stirbt Paul Mederer somit blieben ihn die schweren Stunden des politischen und Wirtschaftszusammenbruch 1945 erspart. Der 1909 geborenen Rudolf Mederer übernimmt die Firma. Er wirkte viele Jahre als Vorsitzender in der Süddeutschen Metallhändlervereinigung mit, was ihn große Erfahrung mitgab.

1951 war es dann soweit, der Umzug in heutigen Büroräume Lager- und Nebenhallen fand statt. Mit der Gartenstraße hatte man einen zentralen Standort gewählt, der einerseits die Anbindung an den Hauptgüterbahnhof ermöglichte, andererseits für Kunden eine zentrale Lösung durch den Verkehrsknoten Plärrer.

Für den Großhandel errichtete Rudolf Mederer zunächst neben dem Zentrallager mit seinen rund 12.000 Artikel umfassenden Sortiment zusätzlich zahlreiche Außenläger im gesamten Süddeutschen Raum. Sie sollen ortsspezifischen Metallbedarf befriedigen. In den 60ger Jahren antwortet er auf den Strukturwandel im Handwerk, indem sich das Unternehmen auf das Zentrallager konzentriert, während der Vertrieb rationalisiert wird. Zugleich erweitert das Unternehmen mit der zunehmenden Anarbeitung von Metallhalbzeug seine Dienstleistungsfunktion.

1980 nach dem Tode von Rudolf Mederer übernimmt der 1952 geborene Wolfgang Mederer als Geschäftsführender Gesellschafter die Leitung der nun als GmbH eingetragenen Firma. Wolfgang Mederer leistet nicht nur erhebliche Investitionen in den Maschinenpark, so erlauben neue Sägen Plattenzuschnitte und automatische Serienzuschnitte.

2016 verstarb Wolfgang Mederer. In dieser Zeit übernahm seine Tochter, Catrin Schießel (geborene Mederer), die bereits über fünf Jahre wertvolle Erfahrungen im Unternehmen gesammelt hatte, die Geschäftsleitung. Diese Verantwortung teilte sie mit Günter Spachtholz, dem langjährigen Leiter des Einkaufs, der bereits stolze 33 Jahre im Unternehmen arbeitete.

Im Jahre 2018 erfolgte eine grundlegende Umstrukturierung in der Geschäftsleitung, wobei die Verantwortung an Christopher Schießel übertragen wurde, der zugleich der Ehemann der Tochter ist. Als qualifizierter Industriemeister legt er seit diesem Zeitpunkt einen starken Fokus auf die Förderung von Digitalisierung, die Einführung von innovativen Konzepten, die Optimierung der Lieferketten für eine schnellere Abwicklung und die Förderung nachhaltiger Arbeitsmethoden.

Das Angebot an Aluminium, Bronze, Kupfer und Messing- in der Form von Platten, Blechen, Rohren, Stangen und Profilen bietet „Herrmann & Co“ heute nicht nur mit gewohnt rascher Lieferzeit und zuverlässiger Qualität, sondern überzeugt auch mit Engagement und Einsatz um jeden Kundenwunsch gerecht zu werden.

So verzeichnet das Unternehmen, das stolz auf die älteste Tradition im süddeutschen Metallhandel beansprucht nun mehr als 200 Jahre Erfahrung.